Dieses längere Wochenende wollte ich eigentlich mit einem 3-tägigen Ausflug an den nahe gelegenen TaiHU (Hu=See) füllen. Da es am Sonntag jedoch verregnet, kalt und windig war, beschloss ich doch lieber einen Tag daheim zu verbringen um zu lesen, lernen und den letzten Monat Revue passieren zu lassen.
Dafür ging es dann bei schönstem Wetter, Sonnenschein und nur mäßigem Gegenwind in Richtung Wasser.
Bis zum See waren es laut Lonley Planet nur 34 km, quer durch Suzhou und die Randgebiete, welche man nicht unbedingt gesehen haben muss… Jedoch bekommt man so auch mal ein Gespür dafür, wo sich die 6 Millionen Chinesen in Suzhou alle so aufhalten…
Eins muss man den Chinesen lassen, der 4-5m breite und durch eine begrünte natürliche Barriere macht es herrlich einfach und sicher quer durch die Stadt per Rad zu fahren. Und auch wenn das Fahrrad hier in China so langsam aus stirbt, so wird an dem Bau dieser Fahrradwege an jeder noch so entfernten und unbefahrenen Straße festgehalten! Und nicht nur das, der Grünstreifen zwischen Straße und Fahrradweg ist auch noch ausgezeichnet angelegt, gesäubert, gepflegt und aufwendig mit Blumen verziert…ein Unding, wenn man alleine diese Straßen entlang fährt.
Trotz blauem Himmel war die Sicht auf nur ein paar Kilometer beschränkt. Und endlich am Taihu angekommen, bot sich mir nur ein großen ineinander übergehendes Grau an. Mein Ziel war eine Insel noch etwas westlicher im See gelegen, auf die man über eine elend lange Brücke kommt. Mit der Sonne im Nacken ging es also immer am Wasser entlang an unzähligen neu hochgezogenen Hotels, unbewohnten Einfamilienhäusern, Golfplätzen und jeweils links einem etwa 5-10m breitem “Standstreifen”, welcher von Massen an Chinesen bevölkert war, welche dort wohl einen Tag am See verbringen wollten.
Auf dieser Radtour hat sich wiedereinmal bestätigt, dass es einigen “Chinesen” an Ästhetik mangelt… Nicht nur, dass ein Picknick etwa 5m neben einer Schnellstraße inmitten von Müll, karger Wiese und unspektakulärem Ausblick wohl als gelungener Ausflug angesehen wird, nein es werden auch Fotostopps an den wohl unschönsten und unangenehmsten Ecken eingelegt, wo dann von jedem ein Foto im Rappsfeld gemacht wird, während im Hintergrund sich die Müllberge türmen. Da steigen 5 Chinesen aus dem Auto, jeder eine Canon-Camera um den Hals und dann wird vor den unmöglichsten Kulissen für ein “Foto in der Natur” Schau gestanden. Was man hier auch immer wieder sieht, dass sind Brautpaare, die sich vor einem Baum/Busch/Haus ablichten lassen…ich bin mir nicht sicher, wie die Fotos später werden, jedoch aus einer Perspektive einen Meter weiter entfernt steht die Braut im Schlamm, neben ihr Müll und wieder eine Schnellstraße…
Die Insel selbst ist sehr bergig und so entschloss ich mich am Ende meiner Kräfte auf der geraden Ebene die Berge am Ufer zu umfahren. Immer am Wasser entlang ging es also einmal um die ganze Insel…fast… denn auf halben Weg, am südlichsten Zipfel und dem Punkt, an dem ich am weitesten weg war, da entschloss ich mich dann doch in einen Nagel zu fahren und mit einem lauten Zischen nicht nur am Ende meiner Kräfte, sondern auch am Ende meiner Luft zu sein… Also schnell Hilfe gesucht, auf dass mir jemand den Reifen flickt (ich war selbst nicht vorbereitet). Jedoch war an diesem Tag jedwede Hilfe in den Bergen auf den Teeplantagen um den frischen Tee zu pflücken. Egal wohin ich kam, wurde mir klargemacht, dass Heute jeder bei der Tee-Ernte sei.
Also nahm ich den nächsten Bus, fuhr in den nächst größeren Ort auf der Insel und versuchte dort mein Glück. Nach einem kurzen Flicken konnte es dann weiter gehen.
Von der Insel selbst und der “Natur” dort war ich nicht all zu sehr beeindruckt, überall liegt Müll, das Wasser stinkt und ist braun, und auf Fisch wollte ich mich nicht einlassen. Eigentlich war angedacht, dass ich mir dort ein Hotel suche und die Strecke auf 2 Tage verteile. Mich hatte dann aber nicht all zu viel auf der Insel gehalten und der sportliche Ehrgeiz gepackt, auch noch den Rückweg in Angriff zu nehmen. Also ging es am selben Tag auch wieder zurück. In Summe waren es dann etwa 130 km, ein Platten, ein knall rotes Gesicht und 12h ununterbrochenes Fahrradfahren*…
Wohlverdient ließ ich mir dann erst die Muskeln bei einem blinden Masseur wieder weich klopfen, um danach im Spa noch den Dreck loszuwerden und den Tag entspannt ausklingen zu lassen.